Besuch in der Autostadt: Bewegung und beiläufiges Lernen

Entstehung der Idee

Die Kernidee von pistenkids ist die ganzjährige Bewegungsförderung von Kleinkindern besonders im Hinblick auf Schneesportarten. pistenkids verfolgt ein ganzheitliches Konzept, das sich neben der Förderung von Bewegung auch dem Thema „Sozialkompetenz“ widmet.

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Außerdem soll körperliche Bewegung mit Feinmotorik und kognitivem Lernen verknüpft werden. Das Frühbildungsangebot der Autostadt in Wolfsburg (www.autostadt.de) mit Möglichkeiten zur technischen Weiterbildung passt hier genau hinein. Die Wolfsburger Workshops für Kinder sind interessant, lehrreich und kindgerecht. Die Kinder können hier u. a. erfahren und begreifen wie ein einfaches Auto entsteht. Deshalb kamen die pistenkids Initiatoren Loretta Langendörfer und Michael Paatz auf die Idee in Zusammenarbeit mit der Kölner Bewegungskita Vincerola (www.vincerola.de) einen zweitägigen Ausflug nach Wolfsburg zu organisieren. Im Oktober 2013 war es dann so weit.
1. Tag
Anreise mit dem Zug
Eine gut gelaunte Schar von Erwachsenen und Kindern, insgesamt 20 Personen, machten sich am Freitag, 18.10.2013 auf den Weg die VW Autostadt zu erkunden. Unsere pistenkids Gruppe setzte sich aus Kindern der Kölner Bewegungskita Vincerola und ihren Eltern, sowie einem Erzieher zusammen. Es war eine lustige und für die Kinder aufregende Zugfahrt, da Bahnfahren mit anderen Kindern für die meisten der Fünfjährigen eine neue Erfahrung war. Es wurde gespielt, vorgelesen und da der Bewegungsdrang der Kinder groß war, wurden die Haltegriffe der Züge kurzerhand zum Turnen genutzt. Nach knapp vier Stunden Fahrt erreichte unsere Gruppe dann die Autostadt.
Ankunft in der Autostadt
Die Autostadt in Wolfsburg befindet sich auf einem 28 Hektar großen Gelände und beherbergt neben Verwaltungs- und Repräsentationsbauten u. a. auch Ausstellungen und viel Raum für Weiterbildungen rund um das Thema Auto. Jedes Jahr kommen mehr als zwei Millionen Besucher in die Stadt, Zielgruppe sind Erwachsene und Kinder. Der Hauptbahnhof Wolfsburg befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Autostadt. Unsere Gruppe konnte das Gelände deshalb zu Fuß in zehn Minuten erreichen. Inzwischen war es Mittagszeit und alle hatten Hunger. Im Familienrestaurant Pizza AMano durften die Kinder ihr Mittagessen selbst zubereiten. Pizzateig wurde geknetet und die Kinder suchten sich ganz nach ihrem persönlichen Geschmack die Zutaten für ihre Pizza aus. Soße und Käse drauf und ab in den Ofen! Nachdem der Hunger gestillt war machten die Kinder und ihr Erzieher sich auf den Weg zum dreistündigen Workshop mit dem Motto: „Strom und Domino“.

 

 

Theoretische Grundlagen
Die sogenannte Inszenierte Bildung der Autostadt versteht sich als Ergänzung institutionalisierter Bildungsangebote und als Begleiter in allen Phasen eines zunehmend an Bedeutung gewinnenden lebenslangen Lernens. Das pädagogische Konzept geht auf die Erziehungswissenschaftlerin Maria Montessori und auf die Ideen der Reggio-Pädagogik zurück, die u.a. zum Ziel haben die Stärken der Kinder zu fördern. Auch hier harmonisiert die pädagogische Idee der Autostadtworkshops mit dem Konzept der Vincerola Tagesstätte in Köln Mülheim, die sich ebenfalls an der Montessori Pädagogik orientiert. Grundlagen der Seminare für Kinder sind außerdem die theoretischen Vorgaben für das Lernen in Kindergarten und Grundschule.



Workshop: „Strom und Domino”

In kleinen Arbeitsschritten, die von Pädagogen betreut wurden, bauten die Kinder ihr erstes eigenes, kleines Auto aus Pappe. Sie durften malen, ausschneiden, kleben, hämmern und schrauben und hatten dabei viel Spaß. Allmählich kamen die Konturen eines Fahrzeugs zum Vorschein. Dabei lernten die Kinder das Phänomen Stromkreislauf und dessen Elemente kennen. Sie haben viel über Werkzeuge und deren Gebrauch gelernt und nicht zuletzt die Gefahren von Strom erklärt bekommen. Kind gerecht wurde die Konstruktion eines einfachen Stromkreislaufs erklärt. Dabei lernten die Kinder die Elektrizität auf ganz praktische Art kennen. Beim Bau des mit Strom betriebenen Modellautos trainierten die Kinder dann nebenbei und völlig unbewusst ihre feinmotorischen Fähigkeiten. Die altersgerechte Vermittlung von Wissen über Strom und die Kraft, die er erzeugt, war für die Kinder ein allererster Einstieg in die Wissensgebiete von Elektrotechnik und Physik. Am Ende hielt jedes Kind sein eigenes mit Strom betriebenes Automodell in den Händen. Stolzer kann man kaum sein…natürlich wurden die Autos direkt an Ort und Stelle ausprobiert. Und es fuhr prima: Das erste selbstgebaute VW-Autostadt-Auto.

Klettern und toben in der Bewegungslandschaft
In der unter wissenschaftlicher Begleitung entwickelten Bewegungsskulptur konnten die Kinder nach der Frühbildung nach Herzenslust toben, klettern und balancieren. Auch hier hat VW nichts dem Zufall überlassen. Die speziell auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnittene Skulptur ermöglicht es auch schon den Allerkleinsten ihre motorischen Fähigkeiten zusammen mit ihren Eltern auszuprobieren. Die Bewegungslandschaft ist Teil des speziell für Kinder konzipierten MobiVersums, in dem es neben Pizzeria, Kino und Workshops auch noch die Gelegenheit gibt ungewöhnliche Fahrzeuge auszuprobieren.

Am Abend
Nach einem gemeinsamen Abendessen in den Lagune Foodhalls liefen wir dann zur nahegelegenen Jugendherberge Wolfsburg und ließen den Abend ausklingen. Aufgrund der vielen neu gewonnenen Eindrücke waren die Kinder ziemlich müde und wir alle gingen deshalb zeitig zu Bett.

2. Tag
Der nächste Morgen

Bei einem gemeinsamen Frühstück stärkten sich die Kinder für ihr nächstes Vorhaben. Sie sollten heute den Kinderführerschein machen. Eine spannende Sache und absolut nichts Alltägliches für Fünfjährige. Wir machten uns also wieder auf den Weg zur Autostadt.

LernPark
Nach einer Kind gerechten Fahrschulstunde und der Fahrt in einem Beetle-Simulator, in dem die Kinder Verkehrszeichen und die Begriffe Umsicht, Rücksicht und Vorsicht im Straßenverkehr erst einmal theoretisch kennenlernten, durften sie schließlich auf dem Außengelände des Parks in einem Straßenparcours üben. Dazu stand im LernPark eine große Anzahl von kleinen Beetles zur Verfügung. Nach einer Einweisung durch die Betreuer des Parks ging es los. Die Kinder waren total begeistert. Mit 4 Stundenkilometern fuhren sie durch den Verkehrsübungsplatz und trainierten an realistisch gestalteten Straßenabschnitten wie Zebrastreifen, Stoppschildern und Kreuzungen, sich an Verkehrsregeln zu halten. Auch hier lernten die Kinder mit viel Spaß und ganz beiläufig, wie man sich richtig verhält. In einer von Autos dominierten Umwelt ist das aus unserer Sicht ein sehr wichtiger Lernbereich. Die Erfahrungen aus dem LernPark will pistenkids bei Gelegenheit vertiefen. Zum Abschluss der Verkehrsgartenaktion bekam jedes Kind einen eigenen Kinderführerschein mit Foto ausgehändigt.

Freie Zeit in der Außenanlage der Autostadt

Nach der Verkehrsfrüherziehung hatten wir dann Gelegenheit die aufwändig gestaltete Park- und Lagunenlandschaft der Autostadt ausgiebig zu entdecken. Die Kitakinder nutzten die Zeit, um mal wieder so richtig rumzutoben und gemeinsam zu spielen. Im MobiVersum probierten sie nach dem Mittagessen die unterschiedlichen Fahrattraktionen aus. Dabei barg jedes Gefährt eine andere sensorische und motorische Herausforderung. Bevor sich die Vehikel bewegten, galt es herauszufinden wie ihre Mechanik überhaupt funktioniert. Eines der Autos kann sich beispielsweise wie eine Raupe fortbewegen und ein anderes Vehikel wird über zwei Pedalen bewegt und gelenkt. Bei einem dritten Gefährt setzt die Auf- und Abbewegung des Oberkörpers die Fahrt in Gang. Diese ungewohnten Voraussetzungen fordern eine neue kognitive und motorische Reaktion des Kindes. Außerdem wird die individuelle Balance trainiert. Die Autos und anderen Gefährte trainieren damit auch Fähigkeiten, die pistenkids beim Skilaufen im Winter und bei anderen sportlichen Aktivitäten fördert.

Rückkehr nach Köln
Nach zwei erlebnisreichen Tagen trat die Gruppe am Nachmittag den Heimweg an. Noch Tage später waren die Erlebnisse in der Autostadt das Gesprächsthema Nummer 1 in der Kita. Stolz wurden die Modellautos und die Kinderführerscheine den Eltern präsentiert, die nicht mitgefahren waren. Die Kinder konnten schöne Eindrücke mit nach Hause nehmen und haben eine Menge über Autos und den Verkehr gelernt. Für die meisten war es der erste Besuch in der Autostadt, aber sicherlich nicht die letzte. Auch die Kita hat das Thema aufgegriffen und Erzieher Ahmed hat ein Plakat angefertigt, auf dem man die Stationen des ersten Tages nachvollziehen kann. Für das Plakat hat er den Strom betriebenen Rotor des Modellautos kurzerhand nachgebaut und in das Poster integriert.

Schöne Grüße
Ihre Loretta Langendörfer